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Wer in der Schweiz einen neuen Steinbruch erschliessen will, der benötigt einen langen Atem. Bewilligungen und Schutzvorschriften aller Art müssen beachtet werden. Oft ist es zum vornherein zwecklos, überhaupt um eine Genehmigung nachzusuchen. Und doch gibt es sie noch, jene Steinbruchunternehmen, die sich allen Einschränkungen zum Trotz an neue Abbaustellen heranwagen. Die Emil Fischer Steinindustrie AG in Dottikon ist eines davon. Mit dem Mägenwiler Muschelkalk gewinnt und verarbeitet die Emil Fischer AG einen heute für das gesamte Gebiet der Deutschschweiz einmaligen Naturstein. Einzig in einem Steinbruch in Estavayer am Neuenburgersee wird noch ein ähnliches Material abgebaut. Der Mägenwiler Muschelkalksandstein lässt sich aufgrund seiner Zusammensetzung nicht mit anderen gebräuchlichen Sandsteinen der schweizerischen Molasse (etwa Guntliweider, Bollinger oder Rooter Sandstein) vergleichen. Er entstammt der oberen Meeresmolasse, ist also eine Meeres-, keine Süsswasserablagerung. Der Stein setzt sich grösstenteils aus Schalenresten von Muscheln und aus Sand zusammen. Er weist ein grobes Korn, einen rauhen unregelmässigen Bruch und ein im allgemeinen gut verbundenes Korngefüge aus. Der Stein ist trotz seiner Porösität ausserordentlich wetterbeständig. Dies beweisen nicht zuletzt Funde aus der Römerzeit wie Gedenksteine und Mühlsteine. Zu allen Zeiten war der Mägenwiler Muschelkalk ein beliebter Baustein. Zu den in unserem Jahrhundert damit errichteten bekannteren Bauten zählen beispielsweise das Nationalbankgebäude und das Haus Seiden-Grieder, beide in Zürich. Wurde das gleiche Sedimentgestein früher auch bei Mägenwil (dem Ort, dem er seinen Namen verdankt) und Eckwil abgebaut, so beschränkt sich seine Gewinnung heute auf den Steinbruch Steinhof in der Gemeinde Othmarsingen. Im Bruchgelände fallen dem Besucher zunächst zwei mächtige, tiefe Kavernen auf. Aus diesen wurde der Stein noch bis in die die sechziger Jahre im Halbtagebau gefördert. Unmittelbar neben den Kavernen gewinnt man heute das Material mit Hilfe der Diamantseiltechnik. Zunächst werden zwei Horizontal- und eine Vertikalbohrung in den Fels getrieben, die sich alle in einem Punkt im Felsinnern überschneiden. Anschliessend wird das diamantbestückte Seil durch das Vertikalbohrloch ein und mit Hilfe eines Hakens durch eines der Horizontalbohrlöcher wieder ausgeführt. Die auf einem Schlitten montierte Seilsäge treibt die so entstandene Schlinge unter hoher Zugspannung so lange an, bis die Gesteinsmasse auf einer Seite komplett vom Fels getrennt Ist. Auf gleiche Weise entsteht auch die zweite vertikale Schnittfläche. In einer der schmalen Sägespalten werden anschliessend zwei dünne Stabeisen eingeführt und mit Luft vollgepumpt. Der entstehende Druck lässt die oft bis zu 150 Quadratmeter grosse Gesteinsmasse einstürzen, wobei in der Regel drei bis vier Blöcke entstehen. Mit pneumatischen Bohrgeräten erfolgt eine weitere Zerkleinerung auf die für die Verarbeitung im Werk gewünschte Grösse. In der Verarbeitungshalle steht ein moderner Maschinenpark mit einer Mehrblattgattersäge, einem Monogatter, einer computergesteuerten Profilfräse, einer Plattenfräse und einem Schleifautomaten als Hauptmaschinen. Neben dem eigenen Material, das zu einem grossen Teil für Renovationszwecke nachgefragt wird, verarbeitet das Werk auch fremde Natursteine wie Sandstein, Kalkstein, Marmor und Granit zu Platten und anderen Bauteilen oder zu Grabsteinen. Westlich des bisherigen Steinbruches ist letztes Jahr eine neue Abbaustelle erschlossen worden. Wie Reto Fischer gegenüber dem «Schweizer Baublatt» erklärte, sah man sich vor das Dilemma gestellt, den Steinbruchbetrieb in wenigen Jahren aufzugeben und nur noch das Werk weiterzuführen oder ihn aber zu erweitern. Trotz erheblichem Planungs-, Arbeits- und Kostenaufwand habe man sich für letzteres entschieden, dies weil man an die Zukunft des einheimischen Materials glaube. Dank der neuen Abbaustelle ist das Unternehmen nun wieder in der Lage, zusätzlich zum bläulichen Mägenwiler Muschelkalk auch eine gelbliche Varietät anzubieten. Reto Fischer: "Der gelbe Mägenwiler war früher vor allem bei Bildhauern ein sehr beliebtes Material. Leider kam es in den Gesteinsbänken, die wir während den letzten Jahren abbauten, nicht mehr vor. Ab sofort ist es jetzt wieder erhältlich." Die aus einem 1908 gegründeten Einzelunternehmen entstandene Emil Fischer AG wird heute als Familienbetrieb in der dritten Generation geführt. Verwaltungsratspräsident und Geschäftsführer ist Reto Fischer, Mitglied der Geschäftsleitung dessen Cousin Roman Fischer. Das Unternehmen beschäftigt zurzeit 18 Personen, davon zwölf Steinmetzen und drei Steinbruchspezialisten. Der Betrieb ist trotz der noch immer unbefriedigenden bauwirtschaftlichen Lage gut beschäftigt. Zu etwelchen Bedenken Anlass geben dem Unternehmen jedoch - und das gilt auch für die meisten andern Steinbruchbetriebe in der Schweiz- gewisse Entwicklungen in der Restaurierung. Die Tendenz vieler Denkmalpfleger, auch stark beschädigte Werkstücke an historischen Bauten um fast jeden Preis in der Originalsubstanz zu erhalten und nicht - wie dies früher üblich war - durch neue zu ersetzen, bewirken beim Steinanbieter eine erhebliche Einbusse an qualitätsvollen Aufträgen. |
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