2.1 Vorkommen
Der "Mägenwiler Muschelkalk" bildet eine Schicht innerhalb der Oberen Meeresmolasse. Allerdings handelt es sich im Aargau nicht um eine durchgehende Bank, sondern um einzeln auftretende Vorkommen, welche etwa auf gleichem Niveau in die Molasse-Schichten eingelagert sind. Diese Muschelkalkschichten treten an den Tairändern auf. Die bekannten Vorkommen reichen von Würenlos und Neuenhof im Limmattal über Wohlenschwil, Mägenwil (welches den Namen gibt), Othmarsingen bis nach Lenzburg (Schlossberg). Ähnliche Vorkommen sind auch weiter im Westen bekannt, so z.B. in der Gegend von Zofingen-Burgdorf oder im Broyebezirk.
Bei den Vorkommen im Aargau handelt es sich meist um Bänke mit einer Mächtigkeit von etwa 10-20 m. Diese Bänke sind härter als die vielfach schlecht zementierten Sandsteine und die Mergel der oberen Meeresmolasse, in welche sie eingelagert sind. Sie bilden daher vielfach eine Steilstufe im Gelände, und nicht selten finden sich an solchen Stellen auch Steinbrüche, welche aber heute alle verlassen sind (ausser dem Steinbruch Steinhof). Markant sind beispielsweise die Bänke am Schlossberg und am Gofi in Lenzburg, etwas weniger auffällig am Mägenwiler Berg.
2.2 Das Gestein
Das Gestein besteht zur Hauptsache aus Schalen und Schalentrümmern von Muscheln, z.T. auch von Seeigeln und Schnecken. Diese bestehen aus Kalk. Vielfach handelt es sich um sogenannte Steinkerne, welche aus Kalkausscheidungen im Innern von abgestorbenen Muscheln und anderen Meerestieren bestehen. Die Schalen sind meist nicht gut und ganz erhalten, sondern zerbrochen, so dass die Fragmente nicht genauer bestimmbar sind. Nach dem Tod der Meerestiere (Muscheln, Schnecken) sanken die Schalen auf den Meeresgrund, wurden dort aber nicht sofort eingelagert, sondern durch Strömungen in flache Mulden verschwemmt und angehäuft. Auf diesem kurzen Transport sind die zarten Gebilde offenbar zerbrochen, wohl auch durch die Rollbewegung, welche von den Wellen am Meeresboden ausgelöst wird.
Im Steinbruch Eckwil bei Mägenwil trat eine dünne Bank mit weit besserem Erhaltungszustand der Schalen auf. Dort konnte festgestellt werden, dass es sich zur Hauptsache um Meerestiere handelt, welche den Uferbereich besiedeln. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass es sich um marine Flachwasserablagerungen handelt. Ferner kann aufgrund der geringen Grösse einiger Arten vermutet werden, dass im Lebensraum abnormale Bedingungen herrschten, nämlich nicht normalsalziges Meerwasser, sondern Brackwasser (Gemisch aus Meer- und Süsswasser).
Neben diesen kalkigen Schalentrümmern sind im Gestein noch weitere Komponenten enthalten. Am häufigsten sind es Sandkörner aus Quarz. Weit weniger häufig sind Hornsteinkörner, Feldspat, Glimmer und Chlorit. Diese Komponenten sind vom Festland her eingeschwemmt worden.
Als Besonderheit tritt in feinen, kugeligen Einzelkörnern das Mineral Glaukonit auf. Dieses grünliche, eisenhaltige Mineral wird nur im Meerwasser gebildet und gibt dem Gestein eine grünliche Farbe. Vielfach ist es jedoch durch Verwitterung in gelblich-bräunlichen Limonit (Eisenhydroxid, Rost) umgewandelt. Eingelagert sind auch einzelne Körner von Pyrit (Schwefeleisen, Trompetengold). Auch Pyrit kann durch Verwitterung in Limonit umgewandelt werden.
In manchen Muschelkalkvorkommen wurden einzelne kleine Kohlestücke und vom Festland eingeschwemmte Mergelschmitzen eingelagert. Das Auftreten von kohligen Substanzen weist darauf hin, dass das Meer- oder Brackwasser an der Ablagerungsstelle sauerstoffarm war (anaerobe Bedingungen).
Sowohl die Hauptkomponenten aus Muscheltrümmern als auch die weniger häufigen Komponenten sind mit Kalk (Kalzit) zu einem Festgestein zementiert worden. Allerdings kann der Zementierungsgrad schwanken. Wo er klein ist, sind Poren und Hohlräume nicht vollständig mit Kalzit ausgefüllt, das Gestein ist porös. Je nach Ort und Vorkommen schwankt der Kalkgehalt zwischen 55% bis über 90%, der Sandgehalt zwischen 10 -45% und die Porosität zwischen 4 - 22%. Entsprechend variiert das Gesteinsgewicht zwischen 2.1 - 2.5 Tonnen/Kubikmeter. Die einachsiale Druckfestigkeit Würfeldruckfestigkeit) wurde zu 35 - 90 N/Quadratmilimeter (350-900 kp/Quadratcentimeter) bestimmt. Die grösste Festigkeit erreichen kalkreiche Muschelkalksteine mit kleiner Porosität.
Für diese kalkreichen Gesteinstypen rechtfertigt sich auch der Name "Muschelkalk". Er hat sich in der Praxis für das abgebaute Gestein eingebürgert, da meist nur kalkreiche Gesteinstypen abgebaut werden. Für sandreiche Gesteinstypen ist andererseits die Bezeichnung Muschelsandstein gebräuchlich.
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