3.1 Abbau
Von Mägenwil fallen die Schichten der Oberen Meeresmolasse, in welche der Muschelkalk eingelagert ist, mit etwa 3-6 Grad gegen SSE ein. Entlang dieser einfallenden Schichten bestanden an den Abhängen des Reuss- und Bünztales zahlreiche Steinbrüche. Der Steinbruch Steinhof ist der südlichste davon. Der Muschelkalk liegt hier nur noch knapp über der flachen Talsohle des Bünztales. Noch weiter gegen Süden sind die Schichten nicht mehr aufgeschlossen und liegen unter einer zunehmenden Überdeckung aus Oberer Meeresmolasse (oberer Teil) und aus Oberer Süsswassermolasse.
Im Steinbruch Steinhof liegt über dem kalkreichen, nutzbaren Muschelkalk zunächst eine Schicht aus wenig zementierten, weichen, mergeligen Sandsteinen, welche dünn geschichtet und verwitterungsanfällig sind. Darüber folgt eine mehrere Meter mächtige Bank aus gut zementiertem, hartem Sandstein, welcher in der vertikalen ehemaligen Abbauwand bis an die Terrainoberfläche reicht. Dass er darüber wieder in wenig zementierten Sandstein übergeht, war nur in den beiden seitlichen Einschnitten zu erkennen, welche 1997 für die Erweiterung des Abbauareals erstellt wurden. Darin zeigte sich auch eine gegen Norden zunehmend mächtiger werdende Moränenüberdeckung der Molasseschichten.
Der Muschelkalk selbst ist massig ausgebildet. Bankungsfugen, welche einen zeitweiligen Sedimentationsunterbruch anzeigen würden, sind fast nicht zu erkennen. Vielfach kann aber eine schräge, sogenannt diskordante Schichtung beobachtet werden, welche mit der (schlecht sichtbaren) Bankung einen Winkel von bis zu 20 Grad bildet. Sie entspricht der ursprünglichen Schüttungsrichtung. Diese Schüttungsrichtung kann je nach Strömung wechseln, so dass eine sogenannte Kreuzschichtung entsteht.
Deutlich zu erkennen sind steilstehende Klüfte, welche bis in den darüber liegenden harten Sandstein hinauf reichen. Es handelt sich um Zerr-Risse, welche meist etwas geöffnet sind. Typischerweise verlaufen sie fast {nicht ganz) senkrecht zur vorderen ehemaligen Abbauwand. Dabei ist anzunehmen, dass auch diese Abbauwand einer Kluft entspricht. Abgesehen von dieser weitständigen Klüftung ist das Gestein kaum geklüftet.
Der Abbau im Steinhof erfolgte zunächst im offenen Einschnitt bis an die erwähnte Kluft. Dann wurde die Überlagerung mit nicht verwendbarem Sandstein offenbar zu gross, so dass der Muschelkalk unterirdisch in grossen Kavernen abgebaut wurde. Im Dach dieser Kavernen befanden sich die erwähnten weichen, mergeligen Sandsteine. Sie brachen nach und mussten entfernt werden. Ein stabiles Dach bildete sich erst an der Basis der darüber liegenden harten Sandsteinbank aus. Zwischen den Kavernen wurden Pfeiler als Stützen für die darüberliegende Sandsteinplatte stehen gelassen. Im vordersten, der Witterung ausgesetzten Teil der Pfeiler erwiesen sich die mergeligen Sandsteine allerdings als verwitterungsanfällig. Sie witterten zurück und schwächten damit die Tragkraft der Pfeiler etwas.
Ende 1996 waren die Muschelkalk-Vorräte erschöpft, und es wurde beschlossen, die Erweiterung des Abbauareals nicht unterirdisch, sondern wieder im offenen Einschnitt zu realisieren. Auf beiden Seiten des Abbauareals wurde ein Einschnitt bis auf den Muschelkalk ausgeführt. Die zuoberst liegende Moräne wurde angeböscht, die darunter folgenden Molasse-Gesteine senkrecht bis auf den Muschelkalk abgebaut. Die wenig zementierten, weichen Sandsteine wurden dabei mit einer Schicht Geröllbeton abgedeckt, um Instabilitäten durch fortschreitende Verwitterung zu vermeiden. Gleichzeitig kann das anfallende Sickerwasser ohne Rückstau abgeführt werden.
3.2 Verwendung
Diese Muschelkalke wurden schon von den Römern abgebaut, wenn nicht im Steinhof, so sicher in Würenlos. Sie fanden Verwendung beispielsweise in Vindonissa, dem Heerlager bei Brugg. Seit dem 11. Jahrhundert wurde der Stein praktisch ohne Unterbruch abgebaut.
Besonders geschätzt wird die eigenartig grobkörnige Struktur mit den sichtbaren Organismenresten und der oft noch sichtbaren Schichtung. Geschätzt wird aber auch der warme, unaufdringliche Farbton, entweder leicht grünlich oder leicht gelblich-bräunlich. Ungünstig und für sichtbare Oberflächen nicht verwendbar sind lediglich rostige Verfärbungen, welche auf verwitterten Pyrit, weniger auf verwitterten Glaukonit, zurückzuführen sind.
Die kalkreichen und wenig porösen, druckfesten und weitgehend verwitterungsresistenten Muschelkalke fanden und finden eine weite Verbreitung als Fassadenverkleidung, Mauersteine und Gesimse, aber auch für dekorative Zwecke wie Sockel, Brunnen, Altäre und Taufbecken, Grabdenkmäler, Plastiken und die früher weit verbreiteten, meist fein bearbeiteten Wegkreuze.
Im Zeitalter des Betons ist es angenehm zu wissen, dass die Natur einen weitaus dekorativeren Stein bereit hält, auch wenn nur ein kleiner Kreis von Liebhabern seine dekorativen Vorzüge und seine Einmaligkeit innerhalb der monotonen Molasse zu schätzen wissen. Es ist zu hoffen, dass diese geologischen Anmerkungen zur Erweiterung des Lieberhaberkreises beitragen können.
Zürich, 17. November 1997
Dr. Heinrich Jäckeli AG
i. A. Dr. U. Aeberli, Geologe
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